Lebensader Oberrhein: Holzarbeiten im Hirschackerwald

NABU schafft Raum für die biologische Vielfalt

Stuttgart – Im „Hirschacker“ zwischen Schwetzingen und Mannheim stehen ab kommender
Woche noch einmal Waldarbeiten im Zeichen des Naturschutzes an. Damit kommen die Partner
im Naturschutzprojekt „Lebensader Oberrhein“ dem Ziel ein gutes Stück näher: die biologische
Vielfalt im Biodiversitäts-„Hotspot“ am Oberrhein zu erhalten.
Im ersten Schritt werden auf neun kleinen Teilflächen, insgesamt 1,6 Hektar, Bäume entfernt. Im
zweiten Schritt wird auch das Wurzelwerk gezogen. Da der Hirschackerwald lange militärisch
genutzt wurde, besteht flächendeckender Kampfmittelverdacht und eine begleitende
Kampfmittelerkundung ist notwendig. Künftig können sich in den baumfreien Bereichen offene
Sandlebensräume mit ihrer charakteristischen Artenvielfalt entwickeln. Auf weiteren 17 Hektar
werden einzelne Bäume gefällt, damit dort wieder lichte Eichen- und Steppenkiefernwälder
entstehen. Im Auftrag des Regierungspräsidiums Karlsruhe wird zeitgleich außerdem ein 0,4
Hektar großer Bereich freigestellt.
Der Plan ist, dass die Arbeiten Ende Februar 2017 abgeschlossen sind. Anschließend werden wie
bei den letztjährigen Maßnahmen die Wege saniert. „Die Erfahrung zeigt, dass es dann etwas Zeit
braucht, bis beispielsweise Heidegünsel, Silbergras und Sandlaufkäfer die Flächen
zurückerobern. Denn sie alle haben eines gemeinsam: Sie brauchen Licht und offenen, kargen
Sandboden zum Leben. Dicht wachsende Bäume verdrängen sie unwiederbringlich“, sagt Katrin
Fritzsch, NABU-Projektleiterin in Baden-Württemberg.
Ende September konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer öffentlichen Führung
bereits ein eigenes Bild von den geplanten Maßnahmen machen. Und sie konnten sich davon
überzeugen, was sich getan hat, seitdem vor rund zwei Jahren im Hirschacker die ersten Bäume
gefällt und so die Weichen für die Vernetzung der wertvollen offenen Sandlebensräume gestellt
Naturschutzbund Deutschland (NABU), Landesverband Baden-Württemberg e.V. Seite 2 von 2
Tübinger Str. 15, 70178 Stuttgart | Anke Beisswänger, Tel.: 0711.966 72-38, Anke.Beisswaenger@NABU-BW.de
worden sind. Auf rund 2,7 Hektar entwickeln sich hier bereits wertvolle Lebensräume auf Sand.
„Einen großen Erfolg konnten wir schon dieses Frühjahr vermelden: den Brutzeitnachweis einer
Heidelerche. Die letzte Meldung dieser Vogelart aus dem Hirschacker liegt 40 Jahre zurück. Die
Art profitiert offensichtlich schon jetzt von unseren Maßnahmen“, berichtet die NABUProjektleiterin.
„Bei der Exkursion gab es einen regen Austausch – und eine Reihe positiver
Rückmeldungen auch dazu, dass das Landschaftsbild bereits gewonnen hat durch die
abwechslungsreiche Struktur mit den lichten Waldbereichen und dem Netz offener
Sandflächen.“.
Schilder vor Ort informieren Besucherinnen und Besucher über die anstehenden Maßnahmen
und den Zweck dahinter. „Uns ist es wichtig, möglichst umfangreich zu informieren“, betont
Fritzsch. „Deshalb sind zum Beispiel auch regelmäßig Projektbotschafterinnen und -botschafter
unterwegs und beantworten Fragen.“
Hintergrund: Projektstruktur „Lebensader Oberrhein – von nass bis trocken“
Drei Bundesländer (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen) haben Anteil am Projektgebiet im Biodiversitäts-
„Hotspot“ am nördlichen Oberrhein. Zur Umsetzung der Naturschutzmaßnahmen haben sich die NABULandesverbände
Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zusammengeschlossen. Das Projektvolumen beträgt
insgesamt rund fünf Millionen Euro. Die Kosten werden zu 75 Prozent vom Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit über das „Bundesprogramm Biologische Vielfalt“ und zu 15 Prozent von den
Umweltministerien in Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg getragen. Zehn Prozent der Kosten
übernimmt der NABU selbst. Weitere Informationen: www.lebensader-oberrhein.de
Video-Clips – „Lebensader Oberrhein“ in 2 Minuten: www.lebensader-oberrhein.de/film